Wie wird die Digitalisierung der Immobilienbranche und die gleichzeitige Kommerzialisierung durch PropTech-Unternehmen diesen Wirtschaftszweig grundlegend verändern?

Die Gene einer Branche bestimmen die Geschwindigkeit der Digitalisierung

Es ist bemerkenswert, dass unterschiedliche Branchen unterschiedlich schnell die Digitalisierung suchen oder bewerkstelligen. Je standardisierter das Produkt desto einfacher ist der Übergang von analoger zu digitaler Transaktion. Die Konsumgüter und die Reisebranche waren hier Vorreiter: Der Onlinehandel etablierte sich parallel zum stationären Verkauf und gewinnt immer noch mehr Marktanteile. Andere Branche wie die Pornoindustrie oder die Partnerschaftsvermittlung profitierten von der möglichen Anonymität im Internet und entwickelten sich rasant. Die analoge Partnerschaftsvermittlung verlagerte sich komplett auf andere Plattformen und wurde dynamisiert. Tinder ist noch längst nicht die Spitze des Eisbergs: Heute erst hab ich auf Facebook eine Anzeige für eine neue Vermittlungs-App mit Kinderwunschbutton gesehen. Man könnte sagen, jede Branche hat ihre eigene Genetik und damit festgelegte Dynamik für den Wandel.

 

Immobilien- und Finanzbranche treten mit hohen Startnummern weiter hinten an

Die Immobilien- aber auch die Finanzbranche sind, wenn es um ihre Digitalisierung und Kommerzialisierung in Form von PropTechs und FinTechs geht, relativ spät und sperrig. Man könnte sagen, sie haben hohe Startnummern erwischt. Ein profunder Wandel der Art des Wirtschaftens – hat bislang noch nicht stattgefunden. Vielmehr werden online und mobile Plattformen hauptsächlich als Marktplätze oder Netzwerkplattformen genutzt: Smava und immobilienscout24 sind hier prominente Beispiele für solche Marktplätze. Komplett online gehandelt werden die Produkte in der Regel aber nicht.

 

Ein Kreditvertrag wird nach wie vor per Fax oder Post unterschrieben und komplexe Finanzierungsgeschäfte verlangen nach wie vor persönliche Gespräche mit der Bank oder den Geldgebern. In Bezug auf die Immobilienbranche bedeutet das: Wer eine Mietwohnung sucht oder eine Eigentumswohnung kauft, wird sie sich eben nach wie vor selbst anschauen wollen. Nur in bestimmten Mietmarkt-Nischen funktioniert die Komplett-Online-Transaktion bis zur Schlüsselübergabe: möbliert und auf Zeit. Uniplaces wäre hier als Beispiel für möblierte Wohnungen für Studenten im Auslandssemester zu nennen – typische Bedarfslage trifft auf standardisiertes Angebot.

 

Eine Frage der Transaktionsdynamik

Im Vergleich dazu sind Kaufimmobilien nicht nicht nur High-Involvement-Produkte, sondern sogar High-High-Involvement-Produkte. Warum erschließt sich einem schnell: Wie viele Bücher kauft man alleine in der Weihnachtszeit? Wie viele Flüge bucht man pro Jahr? Aber wie viele Immobilien kauft der durchschnittliche Immobilienkunde in einem ganzen Leben? Dem Immobilienmarkt fehlt die Transaktionsdynamik, die andere Märkte in einem deutlich höheren Maße haben. Sogar der Finanzmarkt ist da bewegter: Es geht schließlich von der Geldanlage über Kreditanfragen bis zur Reiseversicherung um eine ziemliche Bandbreite an Produkten. Die größte Dynamik, die der Kaufimmobilienmarkt, der sich hier deutlich vom Mietimmobilienmarkt unterscheidet, überhaupt in die Digitalisierung trägt, ist  – nach Auswahl und Preistransparenz – die Suche nach Sicherheit.

 

Stichwort Vertrauen

„Sicherheit ist  – nach der Preistransparenz und Auswahl – das nächste wichtige Asset, wenn es um die Digitalisierung von Immobilienverkäufen geht. Sowohl für die B2B-Marktteilnehmer als auch für die Privatkäufer und Käufer. Reine Marktplätze und reine Netzwerke können das online nicht bieten. Im Gegensatz zur anonymen Partnerschaftssuche – bei welcher Anonymität als Asset gehandelt wird – muss das persönliche Kennenlernen, der tiefe Blick in die Augen, der Handschlag und der gemeinsame Termin beim Notar durch andere vertrauensbildende Maßnahmen ersetzt werden: bestehende bzw. beständige und vor allem dokumentierte Geschäftskontakte und eine nachprüfbare Transaktionshistorie sowie klar definierte Spielregeln und Ertrags-Verteilmodelle sowie eine plattforminterne Qualitätskontrolle.

Eben sehr komplexe Vorgänge, die sich nur digital abbilden lassen. Hier kommen sogenannte Market Networks ins Spiel. Als erster Anbieter eines Market Networks auf dem deutschen Markt, bieten wir mit realbest aber genau das: Eine Kombination aus einem Marktplatz und einem Netzwerk mit solchen zusätzlichen Sicherheits-Assets und damit eine sehr transparente und sehr sichere 360-Grad-Vernetzung aller Transaktionsbeteiligten. Hier ist im Moment die größte Dynamik bei der Digitalisierung des Immobilienmarktes zu finden – denn man darf nicht vergessen: In der Immobilienbranche geht es um die höchsten Summen. Wir gehen davon aus, dass unser Konzept aus diesem Grund nachhaltig ist.

Axel Winckler

Axel Winckler

Gründer und Geschäftsführer der realbest Germany GmbH

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