Coliving als Arbeitsplatz der Zukunft?

Coliving ist ein aktueller Trend in der freien Arbeitswelt, der immer mehr Anklang findet. Diese Bewegung wirkt sich auch auf den aktuellen Arbeitsmarkt aus, denn dank der Digitalisierung sind flexiblere Arbeitszeiten oder Home Office möglich. Viele Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen konventionelle Arbeitsverhältnisse neu zu strukturieren.

 

Weltweit ergeben sich neue Arbeits- und auch Wohnkonzepte, die sich den kommenden Herausforderungen einer digitalisierten und technisierten Arbeitswelt stellen. Strömungen wie Coliving oder auch Coworking nehmen sich dieser nicht einfachen Aufgabe an und hinterfragen, die bisher aktiv angewandten Prinzipien. Doch stellt sich auch die Frage, ob diese Konzepte zielführend sind für ein ausgeglichenes Arbeitsverhältnis: Work-Life-Balance gleich null, oder doch die optimale Mischung?

 

Coliving bricht mit den traditionellen Vorstellungen einer klassischen Arbeitswoche und ermöglicht eine aktive Verschmelzung von Arbeitswelt und Privatem und das von Zuhause aus. Ein sogenannter Coworking Space als Wohngemeinschaft. Junge Unternehmer ziehen mit anderen Gründern in eine WG und helfen sich nicht nur beim Putzen oder Kochen, sondern auch bei den jeweiligen Projekten. Grund dafür ist, dass sich der Alltag in vielen Punkten gleicht. Die Selbstverständlichkeit, dass die Arbeit den Tag bestimmt, erleichtert und intensiviert den Austausch, egal ob abends am Küchentisch oder morgens beim Frühstück. Dabei muss nicht extra nach Feierabend das Büro abgeschlossen, sondern einfach nur der Laptop zugeklappt werden, während im Wohnzimmer schon die WG-Party in vollem Gange ist. Die Verschmelzung von Privatem und Beruf erreicht hier aktuell ihren Zenit.

 

Ansätze wie Work-Life-Balance rücken bei diesen Tendenzen zunehmend in den Hintergrund, hinterfragen aber auch gleichzeitig die Notwendigkeit dieser Entwicklungen. Dennoch werden auch hier neue Begriffe geschaffen, die diese Richtung begrüßen. Work-Life-Blendings beispielsweise, dies beschreibt die aktive und gewollte Verschmelzung von Arbeitswelt und Privatem. Durch Kommunikationstools wie Drive, Slack oder Trello kann die Arbeit unabhängig vom Arbeitsort gesteuert, organisiert und verwaltet werden. Besonders für Selbständige oder junge Unternehmer bietet dieses Modell viel Flexibilität. Viele Unternehmen setzen sogar auf die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter, ihre eigenen technischen Geräte zum Arbeitsplatz mitzubringen und diese an das firmeneigene Netzwerk anzuschließen, „Bring Your Own Device“, kurz BYOD genannt.

 

Doch ist das zielführend für einen effizienten Arbeits- und auch Wohnalltag? Sollte nicht zuhause auch zuhause sein und nur im äußersten Fall als Home Office genutzt werden?

 

Dieser Überlegung folgend, entstand das Konzept der Work-Life-Separation, die den Ansatz vertritt, dass eine strikte Teilung von Job und Privat zwingend notwendiger wird. Der Arbeitnehmer muss bewusste Ruhephasen einplanen, in denen er seinen Hobbys, wie z.B. Sport, nachgeht. Wichtig ist die aktive Ablenkung, um Körper und Geist wieder in andere kreative und divergente Prozesse einzubinden. Das schafft nicht nur Erholung und Freude, sondern dient auch der Aufladung der Energiereserven zur besseren Konzentration auf die anstehenden Aufgaben.

 

Birgt Coliving, als neue Alternative zum Büroalltag, auch das Risiko in Arbeit zu versinken und den Anschluss an die Realität zu verlieren, oder fördert es die eigene Produktivität? Aufbauend auf dem Prinzip des Coworkings setzt es auf noch mehr Effizienz und Vernetzung untereinander und besonders auf Zusammenhalt. Ausgehend von weltweit mehr als 1800 Coworking Spaces, allein 729 in Europa, kann es Räume schaffen in denen gemeinschaftliches Handeln mit technologischem Fortschritt Hand in Hand gehen. Die aktive Zusammenarbeit und Vielheit an Köpfen hilft Stolpersteine rechtzeitig zu erkennen und Änderungen sofort einzuarbeiten.

 

Brauchen wir also noch eine Work-Life-Balance, wenn wir Effizienz und Gemeinschaft vereint bekommen und dadurch die Produktivität Einzelner fördern können? Ist Coliving die Arbeitswelt der Zukunft, da wir selbständig und frei entscheiden können wann und wo wir arbeiten möchten? Heute Chef und morgen Mitbewohner. Der Ausgleich zum Beruf ist das eigene Leben selbst. Mehr Selbstbestimmung ist kaum vorstellbar. Basis dafür schafft aber nur ein eigenes Projekt, zu dem in manchen Fällen die zündende Idee fehlt. Also doch wieder zurück zu nine-to-five oder doch lieber etwas ganz anderes? Das sind Fragen, die wir uns nicht erst in Zukunft stellen müssen, sondern jetzt. Es ist Zeit für neue Wohnmodelle, die sich aktiv diesem Trend annehmen und neue Möglichkeiten und Räume schaffen. Durch die zunehmende Technisierung und Digitalisierung am Arbeitsplatz sind wir tagtäglich damit konfrontiert. Wichtig dabei sich selbst kennenzulernen und auch einschätzen zu können, um herauszufinden welches Modell am besten zu einem passt.

 

Coliving ist sicher nicht das letzte Konzept das erdacht wird, welches sich den Problemen und Herausforderungen einer immer schneller werdenden Gesellschaft stellt und bestimmt auch nicht das beste, zumindest nicht für alle. Dennoch ist es ein neuer Ansatz, der zum Denken anregt und alte Muster hinterfragt, deren Zeit offensichtlich abgelaufen ist.

Gunther Schmidt

Gunther Schmidt

Gründer & Geschäftsführer Medici Living

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