Virtual Reality revolutioniert die Immobilien-Vermarktung

Alle reden über Digitalisierung. Aber so richtig ist der digitale Wandel in der traditionell analog geprägten Immobilienbranche noch nicht im Gange. Aus Sicht eines PropTechs ist das mitunter paradox. Fast alle betonen, dass sie wollen, aber nur wenige lassen sich wirklich schon vollends auf technische Neuerungen ein. Dabei haben die etablierten Unternehmen längst erkannt, dass digitale Innovationen wie Big Data oder Building Information Modeling (BIM) keine Gefahr, sondern vor allem einen Mehrwert für ihr Kerngeschäft darstellen können. Die Umfrage „Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft“, die der ZIA und Ernst&Young im Oktober 2016 veröffentlicht haben, zeigt es deutlich: Das Thema Digitalisierung ist auch in den obersten Führungsetagen angekommen. Und doch hakt die Entwicklung an vielen Stellen. Zahlreiche Unternehmen sind immer noch unsicher, wie sie die intelligenten Lösungen nutzen können, die ihnen beispielsweise PropTechs heute zur Verfügung stellen. Dabei liegen die Vorteile oftmals auf der Hand.

Nehmen wir das Thema Virtual Reality. Vielen Etablierten ist noch nicht ganz klar, welches Potenzial diese Technologie hat – allgemein, aber auch speziell für die Immobilienbranche. In den kommenden Jahren wird Virtual Reality immens an Bedeutung hinzugewinnen. Aus einem einstigen Trend wird sehr bald ein Milliardengeschäft geworden sein.

Emotionales Verkaufserlebnis

Schon jetzt gibt es zahlreiche Anwendungsbereiche, in denen die computergenerierte künstliche Wirklichkeit einen deutlichen Mehrwert schafft. Herkömmliche Methoden können da nicht mithalten. Ein Beispiel: die Vermarktung von Immobilien. Asset Manager in der Immobilienwirtschaft, sei es im Bereich Office, Retail oder Residential, haben ein Problem: Sie müssen Objekte nicht selten unter schwierigen Umständen vermarkten – im Zuge eines Refurbishments beispielsweise, während das jeweilige Gebäude noch vermietet oder gar schon entkernt ist. Mit zeitaufwendigen Broschüren, objektbezogenen Internetseiten und teuren Musterbauten waren ihre Möglichkeiten noch vor wenigen Jahren limitiert. Mit Mietinteressenten durch das entstehende Gebäude laufen, ihnen die Wirkungen verschiedener Materialien live im künftigen Objekt demonstrieren und ihnen das unterschiedliche Raumgefühl von Einzel- oder Großraumbüros eindrucksvoll präsentieren? Damals undenkbar.

Heute hingegen ist all das möglich. Dank hochauflösender Virtual-Reality-Simulationen, die im Live-Modus Veränderungen am Modell erlauben, können Asset Manager heute mit potenziellen Mietern durch entstehende oder zu sanierende Gebäude laufen und je nach Kundenwunsch schnell und einfach verschiedene Varianten konfigurieren. Die technischen Möglichkeiten gehen dabei so weit, dass selbst die Lichtreflektion unterschiedlicher Materialien beispielhaft demonstriert werden kann.

Mit unserer Inreal-Technologie machen wir genau das möglich. Noch kommt Virtual Reality vor allem im Office-Bereich zum Einsatz. Während solche digitalen Vermarktungstools auf Mieterseite ein emotionales Verkaufserlebnis generieren, ermöglichen sie Verwaltern und Investoren gleichzeitig mehr Planungssicherheit. Denn kann sich der Mieter sein künftiges Büro oder Zuhause vorher im Detail ansehen, entscheidet er sich erfahrungsgemäß auch früher. Der gesamte Planungs- und Bauprozess wird vereinfacht, Missverständnisse bleiben aus. Bei Neubauprojekten bieten vor allem realitätsnähe Virtual-Reality-Simulationen mit Blick auf die notwendige Vermittlungsquote vor Baubeginn großes Potenzial. Zumal: Die 3-D-Vorführungen sind weder raum- noch zeitgebunden.

Eigentumswohnungen aus dem Konfigurator

In naher Zukunft wird Virtual Reality deshalb auch im Residential-Bereich eine bedeutende Rolle spielen. Sie erlaubt es beispielsweise Projektentwicklern, für Eigentümer bereits vor Baubeginn jedes Detail ihrer künftigen Immobilie erlebbar zu machen. Was Autobesitzer längst gewohnt sind, wird dann auch für Wohnimmobilien möglich: Mithilfe eines Virtual-Reality-Konfigurators können sich Kunden ihr neues Traumhaus oder ihre Traumwohnung Schritt für Schritt individuell zusammenstellen. Denkmalgeschützte Objekte können mit Hilfe von Virtual-Reality-Software gleichzeitig besonders schonend und effektiv umgeplant und saniert werden.

Natürlich wird die Digitalisierung auch in Zukunft kein vollständiger Ersatz für die persönliche Beratung und Betreuung durch einen Asset Manager oder Projektentwickler sein. Zumal: Ein Großteil der neuen Technologien ist, anders als befürchtet oder von manch einem Jung-Unternehmer verkündet, nicht disruptiv. Und doch ist beispielsweise Virtual Reality mehr als ein reines Werkzeug. Sie revolutioniert nicht nur die Vermarktung. Sie verändert die Art, wie Immobilien gedacht werden, wie sie entstehen – und letztlich auch, wie sie gelebt werden.

Enrico Kürtös

Enrico Kürtös

CEO Inreal Technologies GmbH

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