Digitale Ökosysteme in der Immobilienwirtschaft

André Barthels

Fehlende Ressourcen und mangelnde IT-Kompetenz verhindern den Wandel

Das zentrale Hindernis für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft ist nicht mehr der Mangel an guten Softwarelösungen. In der Praxis scheitern Unternehmen an mangelnden internen Ressourcen und naturgemäß fehlender IT-Kompetenz, um aus dem großen Angebot von Standard- und PropTech-Lösungen ein funktionierendes digitales Ökosystem aufzubauen. Die vorhandenen IT-Dienstleister können dabei in der Regel nicht helfen, da ihnen die Immobilienkompetenz fehlt. Zudem sind diese überraschend oft selbst noch nicht auf dem aktuellen technischen Stand und versuchen immer noch „Blech“ zu verkaufen, weil sie keine Erfahrungen mit cloudbasierter Infrastruktur wie Microsoft 365 haben.

Was ist ein digitales Ökosystem?

Als digitales Ökosystem bezeichnet man das Zusammenspiel verschiedener Softwarelösungen, die sich funktional ergänzen und miteinander kommunizieren. Auf technischer Ebene besteht ein digitales Ökosystem aus Softwarekomponenten, die über eine offene Schnittstelle (API) verfügen. Über diese Schnittstelle können Daten mit der Umwelt ausgetauscht und Geschäftsvorfälle von außen automatisiert ausgelöst werden. Dies ist das Gegenteil der „eierlegenden Wollmilchsau“ – des einen Systems, das alles kann. Überraschenderweise ist das Warten auf die „Wollmilchsau“ in Gesprächen mit Immobilien-CEOs einer der meistgenannten Gründe für eine immer noch abwartende Haltung in Bezug auf die Digitalisierung des Unternehmens.

Die Vorteile eines digitalen Ökosystems

Der große Vorteil eines digitalen Ökosystems ist die Möglichkeit, sich nach einem „Best-of-Breed“-Ansatz die jeweils besten Lösungen für die Prozesse des Unternehmens individuell zusammenzustellen. Das ermöglicht auch den Austausch einzelner Komponenten, ohne das ganze Unternehmen dabei lahmzulegen. Gerade die Immobilienwirtschaft ist besonders für diesen Ansatz prädestiniert, da es in der immobilienwirtschaftlichen Wertschöpfungskette sehr unterschiedliche Prozesse und Geschäftsmodelle gibt, wobei für jeden Schritt der Wertschöpfungskette mittlerweile wirklich gute PropTech-Lösungen existieren. Da diese jedoch immer nur ein klar abgegrenztes Problem lösen, stellen sie Puzzleteile dar, die in der Regel einzeln ihren maximalen Nutzen nicht entwickeln. Vielmehr müssen sie mit den anderen operativen Systemen verbunden werden.

Im Mittelpunkt steht oft ein Buchhaltungssystem

Im Zentrum dieses Ökosystems steht oft die Buchhaltung. Die Herausforderung beim Aufbau eines Ökosystems besteht unter anderem darin, dieses meist sehr große und oft in die Jahre gekommene System sinnvoll in die digitalen Prozesse einzubinden. Hierzu sollte die Buchhaltung cloudbasiert und schnittstellenoffen sein, das heißt sie muss den Austausch von Daten und Dokumenten mit externen Systemen unterstützen. Viele – auch moderne – ERP-Systeme können diese Anforderung nicht erfüllen. Deshalb muss im Rahmen der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie auch das aktuelle Buchhaltungssystem hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden.

Der Königsweg zum digitalen Ökosystem

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll Unternehmen langfristig überlebensfähig machen, indem sie die „Experience“ für Kunden und Mitarbeiter verbessert und durch effizientere Prozesse die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellt. Unternehmen erwarten zu Recht, ihr wirtschaftliches Ergebnis durch Digitalisierung langfristig zu verbessern und eine Digitalisierungsrendite zu erwirtschaften. Diese kann realistisch nur erwartet werden, wenn das Unternehmen die Digitalisierung mit einem professionellen Partner einmal gründlich plant und diese Planung auf klar definierten, mittelfristigen Business-Zielen aufbaut.

Kernfrage: Wie soll unser Unternehmen in zwei Jahren funktionieren? Wie wollen wir dann unsere Kunden und Mitarbeiter begeistern?

Kernfrage: Wie soll unser Unternehmen in zwei Jahren funktionieren? Wie wollen wir dann unsere Kunden und Mitarbeiter begeistern?

Auf Basis einer Bestandsaufnahme und den definierten Zielen können dann im Rahmen einer Gap-Analyse die notwendigen technischen und kulturellen Veränderungen abgeleitet und um-gesetzt werden. Helfen können klassische Partner wie Unternehmensberater und IT-Systemhäuser dabei nur sehr eingeschränkt, denn hier geht es um digitales Lösungsmanagement und dieses erfordert sowohl immobilienwirtschaftliches Wissen als auch tiefgehende technische Fähigkeiten und kommunikative Skills.

Rendite erfordert Investition

Es ist auch Teil der Wahrheit, dass Aufbau und Betrieb eines digitalen Ökosystems Geld kosten. Gerade in der Immobilienwirtschaft, die momentan durch zahlreiche externe Faktoren unter erheblichem Veränderungsdruck steht, ist die Notwendigkeit zur Investition in digitale Projekte nicht immer anerkannt. Dabei sollte doch gerade in dieser Branche besonders bewusst sein, dass ohne Investition keine Rendite erwirtschaftet werden kann. Außerdem stellt sich auch noch die Frage nach den Opportunitätskosten, wenn das Thema weiter ignoriert oder nicht professionell angegangen wird. Planung und Aufbau eines digitalen Ökosystems dauern etwa ein bis drei Jahre, je nach der individuellen Ausgangslage im Unternehmen. Fangen wir also besser heute als morgen an.

Über den Autor

André Barthels

Founder und CEO contrango digital GmbH

Als CFO in der Immobilienwirtschaft war André viele Jahre mit dem Management von klassischen Organisationen befasst. Vor 10 Jahren hat er diesen Weg verlassen und beschäftigt sich seither mit digitalen Prozessen, Softwareentwicklung, Change- und Innovationsmanagement sowie cloudbasierter Infrastruktur – also mit der ganzheitlichen Umsetzung der Digitalisierung im Unternehmen.

contrango digital ist der digitale Lösungsmanager für die Immobilienwirtschaft. Das Unternehmen unterstützt Immobilienunternehmen bei Planung, Aufbau und Betrieb ihrer individuellen digitalen Ökosysteme. Als Meta-Proptech kooperiert contrango digital eng mit namhaften Proptechs und Anbietern von gut integrierbaren Standardlösungen.