Gesundheit braucht ein gesundes Wohnumfeld

Martin Wirz

Der Faktor Zeit ist das knappste Gut der Menschen und unsere Lebenszeit hängt direkt von unserer Gesundheit ab. Da wir uns bis zu ca. 90 Prozent in Innenräumen aufhalten und dabei pro Tag ca. 12.000 Liter Luft atmen, hängt unsere Gesundheit direkt von der Qualität unseres Wohn- und Arbeitsumfelds ab.

Was ist der wichtigste Faktor beim Thema Wohngesundheit? Den einen Faktor gibt es tatsächlich nicht für die Wohngesundheit. Genauso komplex wie unser Leben geworden ist, sind auch die ökotoxikologischen Umwelteinflüsse auf den Menschen geworden. So wirken eine Vielzahl von Einflüssen (Schadstoffe, Lichtqualität, Luftqualität, Elektrosmog und Wasserqualität) auf den menschlichen Organismus multifaktoriell ein.

Je nach Gesundheitsstand und Vorerkrankungen wirken die verschiedenen toxischen Umweltfaktoren früher oder später als Stressoren auf die Körperzellen, schwächen so das Immunsystem mehr oder weniger stark und führen im weiteren Verlauf zu unterschiedlichen Erkrankungen. Dennoch sollte bei der Betrachtung der Wohngesundheit definitiv beim Schlafplatz angefangen werden, denn dort verbringt jeder Mensch ein Drittel seines Lebens. Hier findet die Regeneration statt und hier entscheidet sich maßgeblich, ob wir lange gesund leben oder krank werden. Nach dem Modell des „biologischen Fasses“ sammeln sich die diversen Schadstoffe im Körper, der Mensch verfügt nur über einen kleinen „Hahn“ zum Entgiften. Und je nach Veranlagung kann das Fass irgendwann überlaufen und es kommt zu ersten Gesundheitseinschränkungen in Form von Erkrankungen.

Es existieren keine ausreichenden Richtlinien und Grenzwerte von Schadstoffen in Wohngebäuden.

Wir messen an fast jeder zweiten Kreuzung heutzutage die Außenluftqualität, halten uns aber über 90 Prozent unserer Lebenszeit in Innenräumen auf, die überwiegend nicht geregelt bzw. überprüft werden. Wir lassen regelmäßig unser geliebtes Auto beim TÜV auf Sicherheit überprüfen, führen regelmäßig beim Hausarzt Gesundheits-Checkups mit Blutbildern etc. durch – für unsere Immobilien gilt das alles jedoch nicht.

Analog zu verarbeiteten Lebensmitteln hat die Bauindustrie in den letzten Jahrzehnten einen immer künstlicheren Weg verfolgt, um vermeintliche Zeit- und Kostenziele zu erreichen. Nicht oder nur gering informierte Bauherren, Architekten, Bauträger und Handwerker planen und bauen einen sehr unnatürlichen Lebensraum für Menschen, wo chronische Erkrankungen (Allergien, Diabetes, Autoimmunerkrankungen uvm.) nicht die Ausnahme, sondern die logische Konsequenz sind. Unter unabhängigen Experten sind die Parallelen zu den Entwicklungen zu Asbest und Nikotin im 20. Jahrhundert seit Langem bekannt. Dementsprechend verhält sich die Bauwirtschaft aktuell überwiegend nicht enkelfähig.

Da wir uns bis zu ca. 90 Prozent in Innenräumen aufhalten und dabei pro Tag ca. 12.000 Liter Luft atmen, hängt unsere Gesundheit direkt von der Qualität unseres Wohn- und Arbeitsumfelds ab.

Da wir uns bis zu ca. 90 Prozent in Innenräumen aufhalten und dabei pro Tag ca. 12.000 Liter Luft atmen, hängt unsere Gesundheit direkt von der Qualität unseres Wohn- und Arbeitsumfelds ab.

Diejenigen, die ein Gebäude planen, bauen und managen, haben oft einen größeren Einfluss auf die Gesundheit als ein Arzt.

Es ist nicht mehr vermittelbar, heute aus Kostengründen noch Gebäude mit gesundheitsschädlichen Materialien zu errichten, die die nachfolgenden Generationen krankmachen und dann in Jahrzehnten als Sondermüll entsorgen müssen, obwohl es längst in fast allen Baubereichen gesündere und zirkuläre Alternativen gibt.

Für den Baubiologen Martin Wirz sind Kreislaufwirtschaft und Wohngesundheit eng verbunden. Was zirkulär in biologischen und/oder technischen Kreisläufen genutzt wird, sollte nicht nur gesund für die Umwelt, sondern auch für den Menschen sein.

Wenn das Problembewusstsein weiterwächst und Käufer sowie Mieter das Thema „Gesünder Wohnen“ am Immobilienmarkt weiter nachfragen, können innovative Investoren und Bauträger sich hier neu ausrichten und den „Neuen Weg“ der Wohngesundheit einschlagen.

Zusätzlich werden die diese Forderungen bei Nachhaltigkeitszertifizierungen nach DGNB und BNB, sowie Förderungsvoraussetzungen QNG abgefragt. Eine sehr positive Entwicklung.

Über den Autor

Martin Wirz

Gründer und Geschäftsführer GESÜNDER WOHNEN

Martin Wirz ist Baubiologe IBN und DGNB-Auditor. Der Bausachverständige und Geschäftsführer des PropTech-Startup „Gesünder Wohnen“ ist zudem in der Cradle-to-Cradle- NGO aktiv und beschäftigt sich mit Zirkulärem Bauen.

Das PropTech-Startup „Gesünder Wohnen“ analysiert und optimiert mit einem innovativen und hybriden Analyse- und Beratungskonzept die Wohngesundheit bei Immobilien für Bauherren, Unternehmer, Architekten und Leistungssportler.