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12.12.2023

Wachstumsstrategien durch Mergers & Acquisitions

Rainer Wieser

Vielfältige Finanzierungsoptionen und erfolgreiche Akquisitionsstrategien

Die Generierung von Wachstum durch Mergers & Acquisitions (M&A) ist für viele Unternehmen eine bewährte Strategie, insbesondere dann, wenn organisches Wachstum an seine Grenzen stößt. Dieser Fachartikel beleuchtet nicht nur die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmenskäufe, sondern widmet sich auch der Bedeutung einer durchdachten Akquisitionsstrategie. Es wird verdeutlicht, dass die Finanzierung nicht ausschließlich auf Cash oder Eigenkapital beschränkt ist, sondern auch durch Fremdkapital in Form von Corporate oder Leveraged Strukturen sowie alternative Finanzierungsinstrumente erfolgen kann.

Finanzierungsmöglichkeiten beim Unternehmenskauf

Corporate Struktur:

Bei dieser Finanzierungsstruktur steht der Kredit in der Bilanz des Käufers. Der Prüfungsaufwand für die Bank ist gering, da das Käuferunternehmen bereits bekannt ist und, in Abhängigkeit vom Volumen, in der Regel auf dieses abgestellt werden kann. Das niedrigere Risiko für die Bank führt zu einem Zinsvorteil, birgt jedoch ggfs. für das finanzierende Unternehmen höhere Risiken und verwässert möglicherweise das Bestands- und das “neue” Unternehmen.

Leveraged Finanzierungsstruktur:

Der Kauf erfolgt über eine Akquisitionsgesellschaft (NewCo) und ist stark mit Fremdkapital finanziert. Dabei spricht man oft von einem Leveraged Buy Out (LBO). Im Vergleich zur Corporate Struktur ist der Zinssatz höher, dafür ist auch ein höherer Verschuldungsgrad möglich. Ein Akquisitionsdarlehen in der Bilanz des operativen Unternehmens ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die Besicherung des Akquisitionsdarlehens erfolgt regelmäßig über den Zugriff auf die Unternehmensanteile in der NewCo. Diese Struktur bietet sich vor allem auch dann an, wenn mehrere Investoren and der Akquisition beteiligt sind. Bei der Beteiligung von Private Equity Gesellschaften ist dies ebenfalls die gängige Vorgehensweise.

Praxisregeln für die Akquisitionsfinanzierung:

Die maximale Verschuldungskapazität über Kredite beträgt im normalen Alltagsbetrieb des Unternehmens circa 3 x EBIT. Der Kreditrahmen, der dem Unternehmen eingeräumt wird, hängt maßgeblich von der Höhe und Nachhaltigkeit des EBITs ab. Eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit bietet Mezzanine Kapital (bis zu 1,5 x EBIT). Der freie Cash-Flow sollte rund 1/4 der Bankverbindlichkeiten bzw. rund 1/5 der gesamten verzinslichen Verbindlichkeiten betragen.

Nach Risiko und Rang abgestufte Finanzierungselemente (höchstes Risiko bzw. niedrigster Rang zu niedrigstem Risiko bzw. höchstem Rang):

  • Eigenkapital: Risikokapital ohne feste Verzinsung und Laufzeit, volle Partizipation an Gewinn und Wertsteigerung, volles Verlustrisiko.
  • Mezzanine-Kapital: Meist nachrangiges (im Vergleich zu Fremdkapital) Risikokapital (z.B. Genussrecht, Stille Beteiligung) mit fester und ggf. zusätzlich variabler Verzinsung (und damit eingeschränkte Partizipation an Gewinn) und Laufzeit, volles Verlustrisiko mit Rangvorteil im Insolvenzfall gegenüber Eigenkapital.
  • Verkäuferdarlehen: In der Regel nachrangiges Darlehen (im Vergleich zu Fremdkapital) das meist endfällig getilgt und vom Verkäufer gewährt wird, i.d.R. mit fester Verzinsung. Keine Partizipation an Gewinn und Wertsteigerung. Volles Verlustrisiko mit Rangvorteil im Insolvenzfall im Verhältnis zum Eigenkapital.
  • Fremdkapital: Meist vorrangiges Darlehen mit fester Verzinsung, Tilgung und Laufzeit. Keine Partizipation an Gewinn und Wertsteigerung. Verlustrisiko regelmäßig durch Besicherung beschränkt.
  • Earn-Out: Vereinbarung, welche Zahlungen des Käufers an den Verkäufer zu späteren Zeitpunkten, in Anhängigkeit von der Erreichung bestimmter Kennzahlen, vorsieht.

Strategische Gründe für einen Zukauf

Ein Unternehmenszukauf kann die Wertschöpfungskette des Käufers ergänzen, erweitern oder stärken. Man unterscheidet folgende Strategien.

Akquisitionsstrategie horizontal

Integration direkter Wettbewerber im gleichen Markt zur Erhöhung der Marktanteile und Ausnutzung von Skaleneffekten.

Akquisitionsstrategie konzentrisch

Integration von Unternehmen mit gleichen Kunden, jedoch unterschiedlichen Produkten. Dies ermöglicht Cross-Selling der Produkte (Verkauf von komplementären Produkten) sowie Skaleneffekte in Marketing und Vertrieb. Oder die Integration von Unternehmen, die auf bestimmte Prozesse der Wertschöpfungskette des Käufers spezialisiert sind, um weiteres Know-how für das Kerngeschäft zu erwerben.

Akquisitionsstrategie vertikal

Integration von Unternehmen, die nachgelagerte Leistungen der Wertschöpfungskette des Käufers anbieten. Dies bietet die Möglichkeit zur Erschließung neuer Marktsegmente, Vertriebskanäle und Endkunden. Oder die Integration von Lieferanten zur strategischen Absicherung des Nachschubs an Ausgangsstoffen und Stärkung der Verhandlungsposition.

Akquisitionsstrategie Konglomerat

Integration branchenfremder Unternehmen zur Erschließung attraktiver Märkte und zur Diversifizierung des Geschäftsrisikos. Auch die Übertragung der Markenbekanntheit und erfolgreicher Geschäftsprozesse sind möglich.

Die Akquisitionsstrategie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Zielfindungsprozesses und legt den Grundstein für eine erfolgreiche Transaktion.

  1. Unternehmensstrategie
    Die Unternehmensstrategie kann definiert werden als Muster in einem Strom von Entscheidungen im Hinblick auf die langfristigen Maßnahmen des Unternehmens sowie die klare Ausrichtung gegenüber der Unternehmensumwelt zur Realisierung seiner Ziele. Diese Ziele können organisch (intern) oder anorganisch (über Zukäufe) realisiert werden (Make or Buy Entscheidung).
  2. Akquisitionsstrategie
    Die Akquisitionsstrategie beschreibt die Gesamtstrategie des Unternehmens in Hinblick auf die Ausgestaltung von Unternehmenskäufen (Buy & Build Konzept). Ausgestaltungsmöglichkeiten ergeben sich bezüglich Stoßrichtung, Häufigkeit und Transaktionsvolumen. Die Akquisitionsstrategie sollte in die Unternehmensstrategie eingebettet sein und diese unterstützen. Im Idealfall wird mit einer kleinen Akquisition begonnen, dann zunächst Häufigkeit und später auch Volumen gesteigert.
  3. Akquisitionsprofil
    Meist verfolgen Unternehmen eine Wachstumsstrategie, um sich gegen nationalen und internationalen Wettbewerbsdruck zu wappnen. Dies kann über Zukäufe oder Partnerschaften (Joint Ventures) realisiert werden. In beiden Fällen wird die Wettbewerbsfähigkeit gesichert, respektive ausgebaut und so die langfristig eine positive Entwicklung des Unternehmens gewährleistet werden. Auch für einzelne Akquisitionen ist ein Akquisitionsprofil essenziell.

Der Schlüssel zu erfolgreichen M&A-Transaktionen liegt in einer fundierten Finanzierungsstrategie, klarer Akquisitionsausrichtung und einer tiefen Integration in die Gesamtunternehmensstrategie. Unternehmen, die diese Faktoren berücksichtigen, können durch M&A nicht nur Wachstum generieren, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile sichern.

Der Schlüssel zu erfolgreichen M&A-Transaktionen liegt in einer fundierten Finanzierungsstrategie, klarer Akquisitionsausrichtung und einer tiefen Integration in die Gesamtunternehmensstrategie. Unternehmen, die diese Faktoren berücksichtigen, können durch M&A nicht nur Wachstum generieren, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile sichern.

Erfolgsfaktoren beim Unternehmenskauf

Für einen erfolgreichen Abschluss eines Unternehmenskaufs ist es entscheidend, die genannten Erfolgsfaktoren genau zu kennen und sie während des gesamten Prozesses im Blick zu behalten.

Zusätzlich spielt das gegenseitige Vertrauen und die Transparenz zwischen den Transaktionsparteien eine entscheidende Rolle, ebenso wie die Einbringung der individuellen Stärken der beteiligten Parteien. Der Kauf von Unternehmen mit langfristigem Entwicklungspotenzial, inklusive Marken, Marketing-Know-how und Technologie, trägt zur Erfolgsaussicht bei.

Dabei kann der Aufbau eigener M&A-Kompetenzen oder die Zusammenarbeit mit externen Beratern von Vorteil sein. Prozesskompetenz und Soft Skills sind ebenso erfolgskritisch wie der frühzeitige Test der Integrationsfähigkeit. Schließlich ist die Identifizierung klarer Abbruchkriterien zum Schutz der Verhandlungsdynamik von hoher Bedeutung.

Wichtig ist zudem, dass es einen klaren Plan zur Integration des zugekauften Unternehmens gibt. Hier gilt es zu beachten, dass kultureller Unterschiede bewältigt werden müssen, die Bindung von Schlüsselpersonen und Kunden sowie die Integration interner Systeme.

Fazit: Der Schlüssel zu erfolgreichen M&A-Transaktionen liegt in einer fundierten Finanzierungsstrategie, klarer Akquisitionsausrichtung und einer tiefen Integration in die Gesamtunternehmensstrategie. Unternehmen, die diese Faktoren berücksichtigen, können durch M&A nicht nur Wachstum generieren, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile sichern.

Über den Autor

Rainer Wieser

Managing Partner – atares GmbH

Rainer Wieser ist Managing Partner der atares GmbH. Rainer ist im Bereich technologiegetriebene Branchen tätig. Das können Technologieunternehmen sein oder Dienstleistungsunternehmen, die entsprechende Technologien einsetzen. Ein Schwerpunkt ist beispielsweise das Subsegment PropTech, ein anderer das Segment Sprachendienstleister. Außerdem hat er besondere Erfahrung in den Bereichen Buy-and-Build, Rückbeteiligungen, Buy-Side Mandate und Finanzierungen von Transaktionen.