Fortschreitende Digitalisierung der Wohnungswirtschaft

Über Potential und Aktualität von PropTech

 

Hohe Nachfrage – Geringe Kapazität  

Stellen Sie sich das Szenario vor, wie Sie nach der Veröffentlichung einiger Berliner Wohnungen auf einem Immobilienportal mit Bewerbungsunterlagen von durchschnittlich 93,4 Mietinteressenten pro Wohnung konfrontiert werden. Vergessen Sie bei all der Verwaltungsarbeit nicht, dass Sie parallel noch weitere Objekte betreuen und deren Vermittlung koordinieren müssen. Die Summe aller Interessenten kann auf bis zu 700 ansteigen, die eine Immobilienverwaltung innerhalb kürzester Zeit bewältigen muss. Die immense Interessentenzahl klingt für Außenstehende absurd, doch für viele Immobilienanbieter ist sie zur Realität geworden.

 

Faktoren der Urbanisierung

Für Verwaltungskräfte von Immobilienverwaltungen und -bestandshaltern gehört dieses Szenario nicht nur in Ballungszentren wie Hamburg, München, Stuttgart, Köln oder– wie zuvor erwähnt – Berlin zum alltäglich Arbeitsprogramm, sondern betrifft mittlerweile auch Universitätsstädte wie Tübingen, Freiburg oder Münster. Die hohe Nachfrage nach Wohnräumen resultiert unlängst nicht nur aus der Attraktivität des großstädtischen Immobilienmarkts, sondern wird durch aktuelle Ereignisse noch weiter verstärkt:

 

  • Einerseits durch die hohe Studentenquote, die gemessen vom Wintersemester 2002/2003 bis 2015/2016 von 1.939.233 auf 2.757.799 Immatrikulationen an deutschen Hochschulen gestiegen ist.
  • Andererseits durch die starke Migration von Flüchtlingen, dessen Höhepunkt Anfang 2015 die Zahl der Asylsuchenden auf 64.700 verzeichnet.

 

Was bedeutet das für den Anbieter?

Angesicht der geringen Kapazität an Neubauten und gefördertem Wohnungsbau bedingt der knappen Baufläche ist Wohnungsmangel die Folge, welche den problematischen Zustand der Wohnraumzuweisung für Immobilienanbieter charakterisiert. In Deutschland müssten bis 2020 nach Abschätzungen des Verbändebündnisses „Impulse für den Wohnungsbau“ mindestens 400.000 Wohnungen in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten pro Jahr gebaut werden –  speziell im bezahlbaren Immobiliensektor. „Das Jahr 2016 muss ein Wendejahr werden“, fordert Axel Gedaschko, Präsident des GdW.

Was geschieht parallel in den umliegenden Orten und den ruralen Gebieten? Ganz Recht: Ein Überangebot an Wohnungsflächen, welches speziell in strukturschwachen Kreisen und größtenteils in ostdeutschen Regionen zu bis zu 580.000 leerstehenden Wohnungen geführt hat.

Hinsichtlich dieser Diskrepanz zwischen Wohnungsknappheit und Leerständen, muss mehr denn je eine optimale Kommunikation und Kooperation Immobilienwirtschaftlicher Unternehmen gewährleistet werden.

Wie geht man vor?

 

Digitale Technologien zur Prozessoptimierung

Zweifelsohne bedarf es neuer Modelle, die Informations- und Kommunikationssysteme auf dem Feld der Immobilienwirtschaft vereinen sollen. Diese gilt es mit dem Potential des digitalen Wandels zu realisieren:

PropTech gewinnt seit einigen Jahren immer mehr an Relevanz für den Umgang mit verschiedenen Bereichen des Bau- und Immobiliengewerbes und etabliert sich zunehmend als innovative Prozessoptimierung. So wird durch den intelligenten Einsatz technologischer Hilfsmittel die innerbetriebliche Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gesteigert oder auch die Qualität von Kundenbeziehungen erhöht. Zum Beispiel durch:

 

  • Uneingeschränkten Zugang zu verfügbaren Informationen
  • Vereinfachte Abläufe durch Digitalisierung
  • Zuverlässige Bewertungsplattformen für Interessenten und Anbieter
  • Kosteneinsparungen durch digitale Geschäftsabwicklungen

 

Viele Start-Ups haben das Potential von PropTech bereits erkannt und werden u. A. mit der Entwicklung von entsprechenden Software-Modellen zu einer effizienteren Bearbeitung und Verteilung der Wohnraumnachfrage beigetragen. Ein wichtiger Faktor wird dabei die Gewinnung und schnelle Bereitstellung von Informationen und Kennzahlen sein.

Immobilienanbieter werden zukünftig anhand der verfügbaren Informationen untereinander auf einfachem Weg kommunizieren, kooperieren und Prognosen optimal entgegenwirken können. Durch die intelligente Vernetzung von ERP-Systemen, können zukünftig unternehmensinterne Informationen zu Mietpreisen, Leerständen oder Fluktuationsraten als Entscheidungsgrundlage für effektive wohnungspolitische Maßnahmen genutzt werden. Dies wird entscheidend sein, um eine bessere Allokation der Wohnräume zu gewährleisten, so dass die Schere zwischen ländlichem Leerstand und urbanen Preissteigerungen nicht noch weiter auseinander geht.

 

Noch stehen wir, was die Digitalisierung der Immobilienbranche angeht, ganz am Anfang.

Aber eins steht fest: Die Dimensionen von Property Technology sind impulsgebend für weitere Innovationen auf dem Feld der Immobilienwirtschaft.

Nicolas Jacobi

Nicolas Jacobi

Gründer von Immomio

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